Ist die Suche nach Glück nicht ein Ersatz für die Suche nach Sinn?

Viktor Frankl hat erklärt, dass das Glück immer nur ein Nebeneffekt eines sinnvollen Lebens ist: man kann es nicht direkt anstreben.

Ob also viele Glückssucher in Wirklichkeit Sinnsucher sind?

Was meinen Sie dazu?

Macht das positive Denken unglücklich?

Ist das positive Denken mittlerweile zu einem so starken Zwang geworden, dass es umgekehrt zum ernüchtenden Gedanken führt "Wenn ich es anscheinend nicht schaffe, immer glücklich zu sein, bin ich ein Versager"?

Gedanken in diese Richtung äußert zum Beispiel Arnold Retzer in seinem Buch "Miese Stimmung".

Politik und Glücksforschung

Ist es die Aufgabe der Politik, die Menschen glücklicher zu machen?

Wer weggeht von der psychologischen Literatur und sich ein wenig in die ökonomische Glücksforschung einliest (Richard Layard, Bruno S. Frey, Richard Wilkinson) erkennt, dass die Politik vor allem dazu aufgerufen ist, die sozialen Unterschiede nicht zu groß werden zu lassen, und Chancengleichheit / Gleichberechtigung (nicht nur zwischen Frauen und Männern, auch zwischen anderen Bevölkerungsgruppen) sicherzustellen.

Denn die Basis für Zufriedenheit dürfte im deutschen Sprachraum bereits erfüllt sein: das Leben in einem sicheren Land, mit guten Gesundheits-, Sozial- und Bildungssystemen, in einer Demokratie und doch recht vielen Freiheiten (die jedoch dort enden, wo die Freiheit des anderen beginnt).

Macht Arbeitslosigkeit unglücklich?

Die meisten Studien zum Thema Arbeitslosigkeit - schon seit JAHODA et.al. "Die Arbeitslosen von Marienthal" - würden das bestätigen. Trotzdem gab es schon mal die Initiative "Die glücklichen Arbeitslosen".

Höchstwahrscheinlich geht es darum, auch in der Arbeitslosigkeit seine Talente in irgendeiner Form aktiv einzusetzen - und soziale Kontakte zu pflegen, vielleicht auch auf einen neuen "Sinn" zu fokussieren, wenn der alte Sinn der Erwerbsarbeit weggefallen ist.

Und auch die körperliche Bewegung dürfte für ein subjektives Wohlbefinden wichtig sein.

Macht Alleinesein unglücklich?

Die meisten Menschen würden zustimmen, dass EINSAMKEIT unglücklich macht. Jedoch ist in psychologischen Ratgebern (empfehlenswert: "Einsamkeit überwinden" von Doris Wolf) immer wieder die Rede davon, dass Einsamkeit und Alleinesein unterschiedliche Dinge sind, die nicht zwangsläufig Hand in Hand gehen müssen.

Deshalb also hier die Frage, die als Kommentar beantwortet werden kann: Macht alleinesein unglücklich? Oder kann man auch alleine / ohne Partner / ohne Familie glücklich (zufrieden) leben?